Leben ist mehr

Unnötiges Martyrium?

• Season 2026 • Episode 304

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Wer kennt sie nicht, die Eisenacher Wartburg? Ein Wahrzeichen für eines der epochalsten Ereignisse europäischer Geschichte: die Reformation. Doch wer sie schon einmal besichtigt hat, dem fiel sicher auch mit Schaudern die am Südturm angebrachte Gedenktafel für Fritz Erbe auf (* um 1500, † 1548). Wer war das?

Fritz Erbe war durch intensive Lektüre der Bibel zur Erkenntnis gelangt, dass die Taufe eine symbolische Handlung für Leute ist, die ihr Leben bereits Gott anvertraut haben und diese Zeremonie nun in vollem Bewusstsein ihrer Bedeutung erleben können – wie es auch der Tagesvers sagt. Daher weigerte er sich 1531 strikt, sein Baby taufen zu lassen. Das sollte ihn teuer zu stehen kommen: Erbe musste wegen seiner Ablehnung der Säuglingstaufe 15 Jahre in Haft verbringen; davon sieben im Storchenturm der Eisenacher Stadtmauer und weitere acht im Südturm der Wartburg. Im dortigen zehn Meter tiefen Verlies eingesperrt (das kaum breiter als ein Brunnenschacht ist!), musste er katastrophale Bedingungen erdulden: konstante Finsternis, im Winter bittere Eiseskälte und dauerhaft keinerlei Körperpflege. Er starb in Haft.

Dass dieser Mann für seine Überzeugung bereit war, ein fünfzehnjähriges Martyrium zu erleiden, scheint aus heutiger Sicht geradezu unerhört. Aber für die Täufer damals war es keine Kleinigkeit, dass viele Menschen sich aufgrund ihrer Säuglingstaufe in Sicherheit wiegten. Sie waren, so meinten sie, mit Gott im Reinen – dank dieses frühkindlich vollzogenen Rituals. Doch die äußerliche Handlung rettet keinen, sie ist allerdings Bekräftigung und Bekenntnis dessen, was zuvor bereits innerlich geschehen sein muss: nämlich Glaube an Jesus. Denn nur der persönliche Glaube an ihn rettet uns von unseren Sünden und schenkt uns neues Leben.

Jacob Ameis

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